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12.08.2017 @ 17:38 von (jr) • Kommentar erstellen
SONSTIGES
Best Of Hong Kong Film Festival im Babylon Kino, Berlin

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17.-31.08. Hong Kong Film: Das aufregendste Kino der Welt - 40 Filme, 5 Jahrzehnte

Exotik, Kinetik, Action, Arthouse, Romantik, Tanz und Peking-Oper - Zwei Wochen lang vom 17. bis 31. August gibt es im Babylon mit knapp 40 Filmen aus fünf Jahrzehnten von 1966 bis 2017 den besonderen Hongkong Touch und ein oftmals spektakuläres Film-Raum-Erlebnis. Ein Weltkino, das Ausdruck der asiatischen Kultur ist und andere Kinonationen beeinflusst hat. Das große Hongkong Kino hat viele internationale Stars zu bieten, Namen wie die Schauspieler Bruce Lee, Jackie Chan (Ehren-Oscar 2016), Michelle Yeoh, Maggie Cheung, Ziyi Zhang, Tony Leung, Sammo Hung, Donnie Yen, Jet Li, Chow Yun-Fat; Regisseure wie Wong Kar-Wai, Ang Lee, King Hu, Chen Kaige, Stephen Chow und Ann Hui sowie den Kampfchoreografen und Regisseur Woo-ping Yuen, der auch Nicht-Hongkong-Aficionados durch "Matrix" und "Kill Bill" bekannt ist. Einige der Filmschaffenden sind inzwischen Mitglieder der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" (AMPAS), die die Oscars vergibt (Maggie Cheung, Tony Leung, Donnie Yen, Ann Hui und Johnnie To). Alle genannten Stars sind auf dem Festival "Best of Hong Kong Film" im Babylon mit herausragenden und stilprägenden Filmen zu sehen.

Hongkong reüssiert aktuell (nicht nur) in China, dem zweitgrößten Kinomarkt der Welt mit 1,24 Milliarden Kinotickets (Stand 2015): Unter die Top 50 Boxoffice Hits schafften es im vergangenen Jahr 15 Hongkong-Filme (Regie oder Koproduktion) im Vergleich zu 12 chinesischen Filmen (Festland).

Der Live Action und Animations-Hybrid "The Monster Hunt" (2015; 21./ 23./ 29.08.), eine Fantasy Action-Komödie, wurde damals nach nur zwei Wochen im Kino zum erfolgreichsten, chinesischen Film aller Zeiten. In "Monster Hunt" versucht die verfolgte, schwangere Monsterkönigin auf ungewöhnliche Weise ihr ungeborenes Baby zu retten. Sie pflanzt es einem hinkenden, jungen Mann ein, damit er es beschützt und auf die Welt bringt. Doch dessen Begleiterin ist eine junge, ungestüme Monsterjägerin.

Die Macher - Regisseur Ramon Hui ("Shrek 3"), der für Dreamworks gearbeitet hat, und der berühmte Produzent Bill Kong ("Tiger & Dragon", "Hero") - haben zuvor einen steinigen und kostenintensiven Produktionsweg zurückgelegt: Als der erste Hauptdarsteller Kai Ko zusammen mit Jackie Chans Sohn Jaycee von der Polizei beim Marihuana-Rauchen erwischt wurde, musste "Monster Hunt" mit Sänger und Schauspieler Jing Boran größtenteils nochmals gedreht werden. Andernfalls hätte ein Verbot durch die chinesischen Zensurbehörden gedroht. Eine weitere aktuelle Produktion ist als Preview zu sehen: "Mr. Long" von Regisseur SABU mit Chen Chang ("Tiger & Dragon", "2046") in der Hauptrolle (Kinostart: 14.09.).

Produzent Bill Kong und Regisseur Ang Lee gelang im Jahr 2000 der Hit "Tiger & Dragon" (17./ 19./ 25./ 28.08.), der in den USA zum erfolgreichsten, ausländischen Film avancierte und eine neue Eastern-Welle auslöste. Vier Oscars krönten den Film (Bester fremdsprachiger Film, Beste Filmmusik, Beste Kamera, Beste Ausstattung).

Stars waren nicht nur Yun-Fat Chow, Michelle Yeoh und Ziyi Zhang. Regisseur Ang Lee verpflichtete für die Rolle der Jadefuchs auch Cheng Pei-Pei, Hongkong?s frühe Kung Fu Queen. 1966 wurde sie als 20-Jährige in King Hu?s Avantgardefilm "Come Drink With Me" ("Das Schwert der gelben Tigerin"; 24./ 26./ 27./ 28.08.+01.09.) zum Star: Golden Swallow kämpft - zunächst als Mann verkleidet - unerschrocken gegen eine Räuberbande, um ihren entführten Bruder zu retten.

Nicht ohne Grund zeigt das Babylon dieses Werk als frühesten Hong Kong Film: Regisseur King Hu (1931-1997) hat den Martial Arts Film nicht nur mit Hilfe der Montage revolutioniert. King Hu, der "Kalligraf der Leinwand" (arte.tv), verwob Elemente der Peking Oper, mit Tanz und Performance sowie Elementen der asiatischen Kunst und erreichte erstmals einen hohen, filmischen Schauwert der Kampfkunst. Obwohl in Taiwan produziert, darf auf dem Festival nicht King Hus Meisterwerk "A Touch of Zen" (1971, 20./ 22.+27.08.) fehlen, das Generationen von Regisseuren beeinflusst hat. 1975 gewann es als erster chinesischer Wuxia-Film in Cannes einen Preis, 40 Jahre später wurde dort die neue 4K-Restaurierung vorgestellt, die nun in Deutschland zu sehen ist.

"King Hu war der Schlüssel für die Erforschung und Exegese einer ganzen Populärkultur." (Österreichisches Filmmuseum). Bruce Lee (1940-1973) hingegen hat das Genre zum Pop-Phänomen gemacht. Im Babylon in jeweils nur einmaliger Vorführung zu sehen: Der weltweite Erfolg "The Way of the Dragon" (1972, 18.08.) mit Chuck Norris und "Enter the Dragon" (1973, 19.08.), die erste Koproduktion mit den USA.

Nach dem frühen Tod von Bruce Lee war Hongkong auf der Suche nach einem neuen Star. Dem Perfektionisten Jackie Chan gelang die Erneuerung und Weiterentwicklung des Genres mit Hilfe von Komödien über Underdogs, in denen er sich auch von Stummfilmgrößen wie Buster Keaton und Harold Lloyd inspirieren ließ - und die im Babylon immer wieder geehrt werden (wie zuletzt die große Buster Keaton Retrospektive in "Stummfilm um Mitternacht").

Auf dem Festival sind folgende Jackie Chan Filme zu sehen: "Snake in the Eagle?s Shadow" (1978, 19./ 23.+29.09.), Regiedebüt von Yuen Woo Ping, "Drunken Master" (1978, 24./ 26.+28.08.), "Project A" (1983, 18./ 21./ 24.+28.08.), "Police Story" (1985; 19.08.) und "Armour of God" (1986, 23.08.). Ein jüngerer, äußerst erfolgreicher Vertreter der selbstreflexiven Ironisierung eines Filmgenres ist Stephen Chow, dessen weltweiter Kinohit "Kung Fu Hustle" (2004, 20./ 21./ 22./ 25.+29.08.) im Babylon zu sehen ist.

Pop und Martial Arts - hier darf Quentin Tarantino nicht unerwähnt bleiben, der dem Genre viel zu seiner Popularität verholfen hat. Dabei ist nicht nur an seine Hommage an den Eastern mit "Kill Bill" zu denken. U.a. hat er dem berauschend und außergewöhnlich erzählten Historienopus "Hero" von Zhang Yimou (2002; 18./ 23./ 25.+29.08.) in den USA zum Kinostart verholfen und es unterstützt mit "Presented by Quentin Tarantino".

Eine Ausnahmeerscheinung in der Hongkonger Filmszene ist Regisseur Wong Kar-wai, der auch als "Meister der asiatischen Nouvelle Vague" (Spiegel) gilt. Das Babylon zeigt "In the Mood for Love? (2000, 17./ 20./ 22.+26.08.), "Days of being Wild" (1990, 22.08.) "Ashes of Time? (1994, 18.+26.08.), "My Blueberry Nights? (2007, 20./ 23./ 25.+27.08.), und "The Grandmaster? (2013, 18./ 21./ 22.+24.08.). Bedeutende Wong Kar-wai Filme wie "Chungking Express", "Fallen Angel" und "Happy Together" sind (zumindest zur Zeit) leider nicht für das Kino lizenzierbar.

Das Festival wird abgerundet durch den Filmkritiker Ralph Umard, bedeutender, deutscher Experte des Hongkong Kinos. Am 26.08. um 18 Uhr wird er unter dem Thema "Hongkong - Das aufregendste Kino der Welt" Insider-Einblicke in das dortige Filmschaffen geben, seine Dokumentation "Film ohne Fesseln - Das Neue Hongkong Kino" zeigen und im Anschluss sich den Fragen des Publikums stellen.

Mehr Infos, auch mit der gesamten Filmtitelliste von A bis Z: http://babylonberlin.de/hongkongfilm.htm


TAGS: filmfestival, hong kong, berlin

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