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Der grosse Actiongülle - Thread

Diskutiere über asiatische Filme, Darsteller oder alles andere, das den Asien-Film-Fan interessiert.

Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Mi, 13.01.2016, 14:52

Ben Balasador: Akin ang huling batas (1996)
Gambling movies aus der Republik der Philippinen, eine bislang eher unbekannte Subart von dortigen Genrefilmen,wobei diese in der Masse der Unübersichtlichkeit, zumindest von 1975 – 1999 sowieso nicht oder nur sehr schwer einzusehen ist. Der vorliegende bisher rare Vertreter hat dabei im Vergleich zu seinem kantonesischen Kollegen, bei denen dies weitaus prägnanter aufbereitet ist, eher mit der Sorte King of Gambler (1990) oder All Mighty Gambler (1991) statt bspw. dem God of Gamblers (1989) etwas gemein. Es handelt sich nicht um eine Actionkomödie, die in den Händen von Pepe Marcos aber auch nicht am Sichersten aufgehoben wäre, sondern um eine reine Begleitgeschichte, aus dem Niedrigpreissegment, die sich im Hauptteil um die Auf- und Verteilung von Territorialansprüchen, um den Kampf um das jeweilige Hoheitsgebiet von Gangstern, einen Gang War dreht:

Von einfacher Herkunft gestrickt, schlägt sich Ben Balasador [ Ian Veneracion ] als normaler Arbeitnehmer durch das Leben, bis eines Tages die Chance, die Verlockung, aber auch die Gefahr des großen und schnellen Geldes winkt. Balasador wird aufgrund seiner Talente und Fähigkeiten im Kartenspiel von Nelson Martinez angeheuert, ihm diesbezüglich als Spieltisch zu vertreten und zu unterstützen, wobei der junge Mann als weitere Motivation auch noch die überaus attraktive Vanessa [ Shirley Fuentes ] an die Seite gestellt wird. Balasador hat zwar eine Freundin, in der Journalistin Teresa [ Beth Tamayo ], die wiederum dem illegalen Glücksspiel auf den Fersen ist, will aber sie, seine Schwester Marites [ Teresa Loyzaga ], eine alleinerziehende Mutter, seinen besten Freund Geron [ Patrick Guzman ] und nicht zuletzt sich selber aber auch mal etwas gutes gönnen, und lässt sich sowohl auf die kurze Liebelei als auch das andere Angebot ein. Da ahnt er noch nicht, dass Nelson im Konkurrenten Bernard [ Charlie Davao ] einen erbitterten Feind hat und mit dem korrupten Major Rodriguez [ Tom Olivar ] einen bald redefreudigen Mitwisser, der die ganze Angelegenheit gefährlich nahe an den Rand des Verderbens bringt. Nelsons rechte Hand Marco [ King Gutierrez ], ein Präzisionsschütze, versucht das Debakel auf seine eigene Art und Weise zu verhindern.

Kartentricks und andere Spielereien mit dem Blatt, in dem „Das letzte As“, so die Übersetzung des Zusatztitels, am meisten zählt, sucht man bis auf kleinere Ausnahmen demnach vergebens, wird nur anfangs etwas Fingerfertigkeit in das Geschehen gebracht und mittig kurz, dort um eine Frau zu beeindrucken und sie entsprechend dieser Künste auch ins Bett zu kriegen. Monogamie ist hier und wie gewohnt im Philippinischen Kino, in dem der Mann normalerweise das Sagen und die Hosen anhat, sowieso nichts wert. Umso erstaunlicher, dass mindestens eine der Frauenrolle relativ positiv, d.h. selbstbestimmend, mit eigenen Job und eigenen Ansinnen gezeichnet ist, was nicht gerade selbstverständlich, dafür umso erfreulicher ist.

Eine Unabhängigkeit vom Gegenüber, die sie auch im Konflikt nicht nur mit dem (betrügerischen) Freund, sondern u.a. auch dem am längeren Hebel sitzenden Vorgesetzten und im Gespräch mit Polizei und Co. Pflegt; und den Film, eine ansonsten eher preiswerte bis trockene, getreu des vergleichsweise späten Herstellungsdatums schon leicht ausgezehrte Produktion, nur unterstützt und ungeahnte Stärken beigibt. Denn ansonsten handelt es sich um einen durchaus soliden, aber sich darauf und der Entschuldigung mit dem sichtlich fehlenden Geld auch ausruhenden Vertreter, der in der Karriere von Marcos keinerlei Bedeutung mehr erhält und noch nicht einmal das letzte Aufbäumen, sondern die reine handwerkliche Dienstleistung ist. Ohne seinen gewohnten Star und Zugpferd Ramon 'Bong' Revilla Junior, der oft als Produzent auch für das nötige Kleingeld sorgte und folgerichtig für mehr Chaos und Destruktion auf der Leinwand, greift Marcos hier auf Standards seiner Bildsprache, in den auch vorherrschenden Dialogen auf simples Schuss/Gegenschuss – Material und (bis auf eben bei Beth Tamayo) auch einfachsten Aufsagen der Sätze der Darsteller zurück. Statt größeren Actionszenen mit Schwerkaliber und Detonationen gibt es hier einige Prügeleien, in dem Veneracion immerhin seine Höhe, das stabile Gewicht und auch die Jugendlichkeit als Kraft einsetzt und so etwas glaubhafter als andere Haudegen wirkt. Geschossen selber wird bis zum letzten Drittel und dem dort angezogenen Tempo in Aufrüstung und Auseinandersetzung meist aus der Ferne, mit dem Präzisionsgewehr und in der Einzahl, was eine undankbare Aufgabe für Marcos ist, der den Exzess braucht, und hier erst spät versöhnend gefordert ist.

Darüber hinaus darf man einer Autojagd quer durch die Blech-und Wellbaracken und einer Razzia in einer Behelfsunterkunft und im freien Feld beiwohnen, wobei die Schäbigkeit der Gegend hier schon Usus, die einfache-Leute-Mentalität aber auch Bestandteil der Biographie des Titelhelden ist. Das Kartenspiel dient tatsächlich mal als Aufstieg aus dem Slum heraus, als Broterwerb, da der Hauptjob, die Tätigkeit als Bauarbeiter so richtig viel Lebensunterhalt und Rente nicht bringt, und selbst dabei noch Schutzgeld gefordert wird. Die Kehrseite der Medaille, in dem die edlen Mega-Casinos oder gar die schwimmenden Luxusschiffe und die Millionen auf dem Spieltisch nicht zu sehen, die Bedrohlichkeit weitaus höher und das Glücksspiel auch noch illegal und selbst von der Obrigkeit nicht geduldet ist. Ein rechtsfreier Raum, in dem das Zocken das Essen auf den Tisch bringen soll und jede falsche Karte auf der Hand (oder im Ärmel) auch schon die letzte und die Prämisse für zahlreiche kleinere Shootouts im finalen Akt ist; meist in düsterer Nacht, in der man das schmuddlige Elend nicht ganz so detailliert sieht, und in und um kostengünstigen Kaschemmen, kurz vor dem Besuch vom Gesundheits- bzw. dem Bauamt und seiner Abrissbirne gedreht.

    5/10

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Fr, 22.01.2016, 18:11

SPO4 Santiago: Sharpshooter (1996)
Gefühlt die Hälfte aller Actionfilme aus den Phillipinen der Achtziger und Neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, Unterabteilung Cops and Robbers, also dem Polizeifilm, bestehen aus 'Biographien'. Lebensberichte gerne (zu der Zeit) noch lebender und schillernder Figuren, die entweder auf der Seite der (sympathischen) Verbrecher, oder noch lieber als Gesetzeshüter auf irgendeinen Wege bahnbrechende Karriere und damit Reputation und so den Anreiz der Aufmerksamkeit auch für das zahlende Kinopublikum gemacht haben. Die Person selber wird oft ausdrücklich im Haupttitel und dann noch mit einem weiteren zugkräftigen Zusatz als Schlagwort erwähnt; eine Welle an Idealisten und Aktivisten, die typisch für das Land und seine cineastische Landschaft, auch wenn oft rein im Bereich von Spekulation und Spekulativen ist:

Cop Jaime "Jimmy" Santiago [ Ramon 'Bong' Revilla Jr. ] leistet zusammen mit seinen Mannen im Team [ u.a. King Gutierrez, Johnny Vicar, Ben Sagmit, Jim Rosales im Western Police District von Manila seinen Dienst, erst unter der Führung von Captain Cruz [ Tony Tacorda ] und alsbald eine Promotion höhergestellt. Da er sich bislang bei der Festnahme von Verbrechern mehr als bewährt und zwischendurch auch eine Weiterbildung beim FBI in Amerika abgeschlossen hat, wird Santiago unter die Fittiche von Colonel D'Bayan [ Lito Legaspi ] und in dessen SWAT - Einheit aufgenommen, wo er vor allem für den finalen Schuss verantwortlich ist. Während beruflich alles gut läuft, trotz teils Neid und Anfeindungen von früheren Kollegen, steht privat sein bisheriges Leben auf dem Spiel. Zwar ist Jimmy verheirat [ mit Dindi Gallardo ] und hat auch einen Sohn [ Stefano Mori ], die auch zusammen mit seiner Mutter [ Caridad Sanchez ] bei ihm leben, führt er aber seit längerem und im Geheimen eine Beziehung mit der angehenden Journalistin Elsa Lopez [ Ina Raymundo ], die nicht nur ihre Jugend, sondern auch Interesse an seiner Arbeit mitbringt. Zudem sind einige Verbrecher nicht gut auf den Polizisten zu sprechen und starten von ihrer Seite aus die Gegenwehr.

Warum auch immer diese Form von Erzählungen, von Heldenporträts, für die einheimische Zuschauerschaft so interessant war und derart Nachfrage im Überfluss erhielt, lässt sich im Nachhinein schlecht eruieren. Tatsache ist, dass es abseits dessen kaum einen Unterschied macht, ob man nun einem fiktiv erdachten Polizisten auf seinem Weg folgt oder einem speziell herausgepickten realen Beispiel, was sich gerade hierbei aus explizit vermerken lässt. Regisseur Pepe Marcos und sein Star Revilla Junior haben sich vorher, gleichzeitig und danach auch mit genug ersponnenen Geschichten um heroische Männer in Uniform beschäftigt, was im Grunde genauso, abseits des kurz auftretenden voice overs als Nachrichtenstil vielleicht auch hier darstellt.

Revilla Junior spielt hier wieder ein etwas zu groß gewordenes Kind in Manne, der am besten in seinem Job, bei seinen Jungs ist und ansonsten zwischen zwei Stühlen mit der Frau daheim und der Frau da draußen steht. Viel von dem Film erscheint wie zusammengebogen und als großes Abenteuer gewürzt, gibt es so zumindest allerdings alle naselang etwas zu bestaunen oder gar eine Actionszene zu sehen, was für die zeitlich später angesiedelten Werke Marcos' nicht üblich und nicht selbstverständlich ist. Da man von Santiagos Verdiensten als Unkundiger in der Materie sowieso nichts weiß und sowieso auch erst am Ende etwas davon erfährt, – u.a. Auszeichnungen in den Kategorien Ten Outstanding Policemen of the Jaycees (1995), Ten Outstanding Policemen of the WPD (1995); Special Act of Heroism Award of the PNP Regional Command (1995) & Senior Officer of the Year of the WPD (1995), und Chef der MPD Special Weapons and Tactics (SWAT) von 1993 to 1998 –, scheint das Leben hier auch wie ein großes Spielplatz, der dem Scharfschützen und seinen Getreuen von der Todesschwadron diverse Razzien und mehrere Geiselnahmen und schnelle und blutige Beendigungen dieser bereithält. Am Ende steht gar ein halber Kriegseinsatz an, wird eine Verbrecherhochburg mit Unterstützung von Hubschrauberbeschuss gestürmt und sich durch Mauern, Glas und Menschenleiber gepflügt.

Langweilig wird es also nicht, werden zwar keine richtige Gegenspieler oder gar die besondere Nemesis installiert und sind die Versuche in diese Richtungen auch höchstens halbherzig formuliert, darf man in dieser true-to-life story als Prestigeprojekt aber immerhin ein solides Budget und entsprechend einige größere Aufwendungen, darunter auch kriminelle Aktionen wie Überfälle auf Geld- oder Gefangenentransporter oder Verfolgungsjagden durch die Strassen Manilas bewohnen. Marcos' Regie dabei solide wie eh und je, wobei ein Augusto Salvador da sicherlich mehr Schwung und Exzess in die Angelegenheit gebracht hätte, aber Marcos nun mal Revillas Leib- und Magenregisseur und auch erfahren in dieser Variante von 'Biographien' ist.

Verwunderlich ist eigentlich nur die Handhabe der Frauengeschichten, wird das Fremdgehen des Scharfschützen, – der als Killermaschine gerne die Türen eintritt und schneller als sein Schatten am Abzug ist – hier durchaus präsent behandelt und wirft dabei auf den Mann kein allzu gutes Licht. Die Geliebte wird im Gegenzug zur etwas älteren Ehefrau als sicherlich verführerischer, von Anfang an im knapp geschnittenen und hautengen Aerobicdress oder auch im Bikini, am Strand, im Pool, im Jacuzzi präsentiert, ist und bleibt aber nur die Affäre, die der Kindsmutter und Angetraute moralisch nichts gleichzusetzen hat. Die Bigamie selber, ein bekanntes Thema derlei Filme und oft als Pluspunkt für den Mann, als besonders attraktiv gesehen, ist einfach so da und wird auch nicht von den Filmemachern, auch nicht von Santiagos männlichen Weggefährten, sondern über die Reaktionen der beiden Frauen und damit tatsächlich eindrücklicher als gewohnt und final auch doch einmal kommentiert.

    5.5/10
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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Mi, 27.01.2016, 1:39

Ninja Operation 2: Way of Challenge (1986)
Bestandteil einer insgesamt sieben Episoden umfassenden Reihe, die der sogenannten Ninja Operation, die von Joseph Lai samt Schwester Betty Chan innerhalb eines Jahres produziert sein sollen; wenn man den Informationen der Datenbanken glauben mag, auch wenn das Herstellungsdatum eben diesen Filmes hier mit (im Vorspann) angegebenen 1988 dem schon widerspricht. Der Nachrichtengehalt und der Nachrichteninhalt ist bei Werken von IFD allerdings auch seit jeher mehr Gerücht und Halbwahrheit als in Stein gemeißeltes Gut, zumal die Reihe selber auch inhaltlich keinerlei Verbindungen aufweist und so die Reihenfolge mehr oder minder egal und entsprechend von untergeordneter Bedeutung ist. Im angeblichen Zweiten Teil, dem Way to Challenge wird ansonsten auch in die Zeit zurückgegangen und Mittel und Wege geschunden, die Kuh, die die Milch gibt, also den Star Richard Harrison und seine Verwendung als Aushängeschild des verkaufsträchtigen Ninja-Filmes noch lange und weiter zu melken. Eine hier schon verkrampfte Angelegenheit, die nicht mehr dem Einfallsreichtum früherer Jahre und auch nicht mehr die beliebige Vielzahl an durchaus interessanten Ursprungsquellen für die Verwendung des patentierten copy & paste entspricht:

Als der Lehrmeister vom dem sich in der Ninja-Anleitung befindlichen Gordon [ Richard Harrison ] vom Black Ninja getötet und das "Sword of Catastrophe" entwendet wird, schwört der Auszubildende Rache, hat allerdings das Problem, dass weder er noch seine Kollegen dem ständig stärker werdenden Gegner so richtig etwas entgegen zu setzen haben. Die einzige Hoffnung besteht im Finden des letzten nahen Verwandten des Lehrmeister, Jim Jones [ Eagle Lee Siu-fei ], der aber a) nicht so richtig will und b) auch andere Sorgen, nicht nur mit der stillen Liebe zu Sara [ Ming Ming ] hat. Jim bemüht sich zwar nach Leibeskräften, sich mit Gelegenheitsjobs wie Kellner, Zeitungsausträger, Autowäscher oder Limonadenverkäufer durch das Leben zu schlagen, bekommt aber immer wieder Ärger mit seiner ignoranten Umwelt. Als er neben seinem bereits aus Fürsorge aufgenommenen kleinen Ziehsohn noch zusätzlich den Taugenichts Mickey [ Tse Man-yik ] aufnimmt und durchfüttert, wachsen die Ärgerlichkeiten gar noch weiter. Mickey hat wegen Falschspiels nämlich Konflikte mit seinem ehemaligen Vorgesetzten, dem Gangsterboss Roger [ Ma Sha ], der nun seine Schläger auf das ungleiche Trio loslässt.

Harrison ist hier also ausnahmsweise der Schüler und nicht der Meister; der Protege, der dem Lehrer erst nacheifert und bis über dessen Tode hinaus seine Ehre hochhält. Für im Grunde schon 50 Lenze, die der ehemalige Italowestern-Veteran und kurze Shaw Brothers Mitspieler hier bereits zählt, wird er noch einmal auf jung getrimmt, um den Eleven adäquat zu mimen. Der Bart muss ab und die Fragen nach Belang auch von ihm als noch unwissender Jünger gestellt werden, wodurch sich für uns als Zuschauer auch gleich die nötige Information für den weiteren Verlauf der Geschehens ergibt.

Viel Mystik steht im Vordergrund, eine gar in falschen Händen furchtbare Waffe wird geraubt, die schleunigst zurück muss, bevor noch größeres Unheil ausbricht. Harrison braucht Hilfe, was so oft nicht vorkommt und mit der neuen Funktion des Schulbuben die zweite Erneuerung des Filmes darstellt. Der große Rest ist auf der einen Seite ein Slash and Dash, indem der Black Ninja sich wahllos durch zahlreich anonyme Gegner pflügt, quasi der Kung Fu Killer der Achtziger Jahre, was den Aufbau, nicht die Qualität angeht. Die dortigen Actionszenen sind genauso beliebig in der Anordnung innerhalb der 'Geschichte' platziert, wie leider auch in der Inszenierung und Choreographie ausgeführt. Viele Tote, ja, viel Bewegung auch, aber der Ausgang ist schon von vornherein bekannt und die Kreation dieser Schwertkämpfe im Grünen, also die ständigen Turnübungen im grellfarbenen Strampelanzug sind leider so überhaupt nicht wert.

Vielleicht zwanzig Minuten insgesamt nimmt dies Prozedere an der Gesamtlaufzeit des Filmes teil, der Anreiz für das Marketing, das sich natürlich nur auf diesen Bereich und konkreter noch auf die damaligen Bedürfnisse, die geschmacklichen Verirrungen des westlichen Publikums bezieht. Der Rest besteht aus der Originalquelle, dem taiwanesischen Challenge (1982), dem Regiedebüt von Simon To Pak-hon, der abgesehen von seiner Seltenheit her und dem Bemühen um Anspruch und Aussage, die ehrenwert ist, allerdings auch keine Vorzüge aufweist.

Denn Challenge ist vor allem eins, und zwar deprimierend und dabei auch noch schrecklich einfältig, auch psychologisch viel zu simpel gestrickt, was nach und nach immer mehr durchscheint und sich schließlich Bahn in einem längeren Verdruss bricht. Die gewollte und gesuchte Sozialkritik wirkt leider nur in den ersten Minuten durch und dreht sich dann beizeiten im Kreise, wobei das männliche Trio, also die beiden Erwachsenen und ihr Ziehsohn im Geiste allerdings gerade im Stillen gar manche Szenen der emotionalen Geschlossenheit beweist. [ Beim Zoobesuch, der für einen Moment tatsächlich ein Ausflug in eine bessere Welt, in kurzer Rückzug in das Glück ist, dass sonst für alle Drei nicht scheint.]

Im Kontrast zu dem neugedrehten Material ist man dabei natürlich höchst verkehrt, wofür Regisseur und Autor To, der sich nachfolgend noch mit u.a. Fury of a Virgin (1982) & Coming with a Gun (1984) im Crime reformierte, ja nichts kann, aber dem geschlossenen Gesamtprojekt vom Way to Challenge so gar nicht hilft.

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Jadelin am Do, 28.01.2016, 18:02

Himmel hilf, hast Du immer noch nicht genug von der "Actiongülle"?

Verwandel das doch bitte in ein eBook, ich veröffentlich Dir das (als Herausgeber :mrgreen: , ich mach Dir auch ein Titelbild, und evtl. Einnahmen kannst natürlich haben, obwohl man da nur selten was verdient), schließlich hab ich mir für Amazon Kindle für die USA (nach 45 min in der Telefon-Warteschleife) eine Steuernummer besorgt. Für irgendwas muss die doch gut sein. Und falls Du glaubst, dass ichs nicht ernst meinst, vor nem Jahr oder so, hab ich mal alle Deine Einträge in ein File kopiert (ja, mir war langweilig), bis Seite 26 hier im Forum machte das 167 663 Worte auf 261 Seiten (Word-File, kann ich Dir schicken, wenn Du willst). Das müsste natürlich überarbeitet, sortiert, korrigiert etc., werden.

Wollte ich nur mal sagen...
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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Sa, 30.01.2016, 12:20

Also die Datei hätte ich sehr gerne; da selber keine Aufzeichnungen besitze bzw. die Texte erst neuerdings im Editor abspeicher. Dann könnt ich auch mal sehen, wieviel Aufwand das überarbeiten denn wäre. So richtig viel Zeit hab ich momentan nämlich nicht, woran auch dieser Bereich hier leidet. Teilweise wird man ja schon überholt, ein Emergency Police Lady bspw. ist seit Mai 2014 bei mir vorrätig und ungesehen, und wenn Andere in rauen Mengen den vorher betrachten, platzt dann irgendwie der Lack ab. Gefühlt nur natürlich. :P

Ansonsten ist noch weitaus genug Material vorhanden, selbst aus HK, und andere Länder wie China oder Thailand sind ja noch gar nicht angerissen. Philippinen ist mit gerade mal zwei-drei Regisseuren (Pepe Marcos, Augusto Salvador und ein bissel Toto Natividad), auf die anfangs und der Übersicht wegen konzentriert wurde, auch nur die Spitze vom Eisberg. Teilweise kann man auch wieder von vorne anfangen, könnt jetzt aus dem Gedächtnis z.b. nicht Angel Force von Angel's Project unterscheiden.
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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Jadelin am Mo, 01.02.2016, 13:27

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Zhang Liao am Di, 02.02.2016, 4:07

@Mic:
Da du ja weder zeitliche Produktionslimits noch Ländergrenzen zu kennen scheinst, ist die Anzahl der zu sehenden Filme aber auch etwas hoch. Da kann es doch schon mal passieren, dass jemand mal einen Film vor dir sieht.

Wenn du dich aber auf diese Filipino-Heuler und Ninja Klopper konzentrierst, ist die Gefahr aber wohl recht gering. Ich selbst finde an dem Zeug irgendwie überhaupt kein Gefallen. Da würde ich vielleicht noch eher mal nach Thailand schauen, aber das würde mir vom Umfang zu viel werden. Da bleib ich lieber im chinesischsprachigen Raum.
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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon MPAA am Di, 02.02.2016, 15:55

Mic hat geschrieben:Teilweise wird man ja schon überholt, ein Emergency Police Lady bspw. ist seit Mai 2014 bei mir vorrätig und ungesehen, und wenn Andere in rauen Mengen den vorher betrachten, platzt dann irgendwie der Lack ab. Gefühlt nur natürlich. :P



Hier noch das Review zum Film, Online seit 31.01 :mrgreen: :

http://home.datacomm.ch/mpaa3/emergency_police_lady.htm
http://reviews-ch-vu.blogspot.ch/

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Fr, 26.02.2016, 23:14

Zhang Liao hat geschrieben:@Mic:
Da du ja weder zeitliche Produktionslimits noch Ländergrenzen zu kennen scheinst.


Alles mit 197* am Anfang ist schon schwierig, bei 1979 und entsprechenden Interesse fällt aber auch ein Titel aus dem Jahr dazu. Ab 2003/04 ist sowieso Sense mit der Art von Filmen; demnach reden wir von einem Vierteljahrhundert. Ländergrenzen sind mit HK, Taiwan und Philippinen eigentlich auch eng, zumal die beiden letzten Länder mir eh erst durch abgewanderte HK-Stars ein 'Begriff' wurden. [Die "Cynthia Luster" - Geschichten oder die Co-Produktionen mit Cynthia Khan.]
In dem Fall ist das schon begrenzt, nicht etwa beliebig, und wird in Zukunft durch etwas China um 1990 und etwas Indonesien um 1995, zumeist von S.A. Karim oder Golden Kasmara nur ein wenig aufgeweicht, aber natürlich in Bezug zu dem Bekannten gesetzt.


Kung marunong kang magdasal, umpisahan mo na (1996)
Voluminöse Explosionen, mindestens ein halbes Dutzend, verheerenden Brandsalven gleich durchpflügen die ersten Sekunden des Filmes das Bild, füllen die gesamte Fläche aus und heizen die Gegend auf gefährliche Temperaturen hoch und an. Wer nicht von den Feuersbrünsten oder den umher fliegenden Kugeln zerfetzt wurde, der hat sich nur mühsam mit verbrannter Haut aus dem Bleihagel des hier ermittelnden Polizisten geflüchtet. Ein Einstieg nach Maß, der die Eröffnung einer weiteren Kollaboration zwischen Regisseur Pepe Marcos und seinem bevorzugten Schauspieler Ramon 'Bong' Revilla Junior in seinen Extremen darstellt; das letzte Aufflackern der Kraft, die bald am Ende und am Untergang geweiht und zumindest für Marcus auch bald das endgültige Aus der seit den frühen Achtzigern bestehenden Karriere ist. Kung marunong kang magdasal, umpisahan mo na, was übersetzt soviel wie "Du kannst anfangen zu beten" bedeutet, als ein noch erfreuliches Beispiel für die einstigen Tugenden des Philippinischen Actionkinos, dass fast zwei Jahrzehnte auch das Publikum angesprochen und verzückt und in rascher Reihenfolge und geradezu unüberschaubarer Vielzahl für Nachwuchs der Bedürfnisse gesorgt hat. Willkommen in der Hölle, und in der (zeitweiligen) Grenzenlosigkeit, in der man die Dienstpistole immer bei sich haben sollte, oder gleich mit der Reisetasche voller Waffen zum Showdown strebt:

Als Inspector Alex Guervo [ Ramon 'Bong' Revilla Jr. ] bei einer heftigen Schießerei mit Gangstern einen der Schergen [ King Gutierrez ] vom Drogenboss Brando [ Edu Manzano ] durch Verbrennungen im Gesicht entstellt, schwören beide Rache für das bei diesem gescheiterten Drogengeschäft entgangene Geld und die Verletzungen. Mehrfach schicken sie Attentäter auf den Polizisten los, der sich allerdings jederzeit, auch durch die Hilfe seines Partners Homerto B. Flores [ Zoren Legaspi ] vor den Angriffen zu wehren scheinen kann. Aufgrund dessen ändern die Kriminellen ihre Taktik, entführen seine Freundin Cynthia [ Aiko Melendez ] und Alex' eher nichtsnutzigen Vater Amador [ Paquito Diaz ] und verlangen entsprechendes Lösegeld. Alex ist natürlich zu einem Austausch bereit, weiß allerdings auch um die Gefahren einer Falle, und es hilft ihm nur wenig, dass ihm Cynthias schwerreicher Vater Don Miguel [ Lito Legaspi ] und seine eigene Mutter [ Perla Bautista ] schwer atmend und lamentierend im Nacken sitzen. Prompt tritt er in ein Missgeschick.

Erfreulich ist hierbei zu sehen, dass das Geld noch zur Verfügung stand, was sicherlich mit an Schauspieler und Produzent Revilla Junior liegt, der als Kassenmagnet, wenn auch eher im Bereich der Komödien und auch nicht gänzlich auf Frauen als zahlende Kunden seiner Filme wirkend liegt. Revilla, Sohn eines gleichsam berühmten Darstellers, der den Regisseur Marcos von früheren Arbeiten ebenso kennt, hat in seiner Laufbahn neben der leichten Kost aber auch alle naselang und allenthalben als tatkräftiger Polizist vor der Kamera posiert; in Rollen übrigens, die sich im Grunde alle wie ein Ei dem Anderen gleichen und in dem auch das Spiel dasselbe, die Betonung, die Mimik, die Gestik in einer einzigen Bandbreite ist. Stören tut das sicherlich nicht, es macht die Unterscheidung zwar schwer, das Identifizieren mit dem so sattsam bekannten Mann allerdings nicht.

Auch hier als ein Polizist, der nur seine Pflicht ausüben will, dabei aber auf allerlei Schwierigkeiten mit dem Gesetz und auch Schwierigkeiten mit Übertretern dieser festgeschriebenen Regeln trifft. Egal was man macht, macht man es auf Garantie für irgendeine Person falsch, entweder tritt man dem Gangsterboss zu sehr auf die Füße oder hat der Vorgesetzte Probleme mit dem verursachten Schaden und/oder der Ausübung der Gerechtigkeit. Hier kommt es für den Inspektor, dessen Fäuste so hart sind wie seine Waffen schnell, dann alsbald auch ganz dick. Die erste Tirade erfolgt nach dem Abfackeln des Verladehafens, in dem man mit Sicherheit jedes Ölfass gen Himmel gejagt hat und die Autos in die Luft gleich mit. Die zweite Standpauke folgt demnächst, obwohl man sich nur verteidigt, und dabei einen Leichenwagen und seinen Tross, einen getarnten Drogentransport zersiebt und dabei auch eine Handvoll Gauner den Garaus gemacht hat. Leicht hat es der Cop zumindest nicht, lässt ihn die Welt da draußen nicht in Ruh, so dass immer wieder die Sprache der Waffen spricht.

Die Dramaturgie dahinter ist nicht perfekt, aber im direkten Vergleich gerade mit noch kommenden Jahren und auch teils mit mehr auf Romantik und Emotion angelegten Arbeiten des Duos ein noch erfreuliches Angebot an Schießereien und Karambolagen und Detonationen, später noch ein Gefängnisausbrauch direkt nach einer Travestieeinlage der Insassen; allerlei Verrücktheiten, deren Vorkommen man sicherlich nicht böse ist. Haken tut es immer dann, wenn die Pausen eintreten und die Figuren zusätzlichen Unterbau erhalten, der gar nicht nötig ist, aber die Geschichte auf die nötige Höhe hebt, und dann stetig am Fallen ist. Der Elternkonflikt soll den Polizisten, ein Muskelberg mit etwas zuviel Pfunden auf den Hüften, menschlicher machen, ist aber inszenatorisch hölzern umgesetzt und auch nicht einladend gespielt. Da steht die Kamera wie im Theater und werden die Tränen und die Verzweiflung gezückt, was bald auch Tränen und Verzweiflung beim harrenden Publikum auslöst. Dafür und wie als Ersatz, als Ausgleich dessen ist die üblicherweise undankbare Erscheinung des Kollegen, des Partners im Kampf gegen das Verbrechen, hier ausnahmsweise im Positiven umgesetzt; der Sozius ist sicherlich nicht gänzlich gleichberechtigt, aber er ist tatsächlich nützlich im Dienst, stirbt nicht gleich in der ersten Schwierigkeit den Märtyrertod, sondern weiß sich mit Sprüngen, Schüssen und ganz allgemeiner Frische an den Actionszenen zu beteiligen.

Eine angenehme Teilhaberei, die wohl auch an der Prominenz und Popularität vom dort besetzten Zoren Legaspi liegt, und von Edu Manzano als Antagonist noch schauspielerisch unterstützt wird. Manzano verleiht dem Geschehen auch dann die Präsenz, obwohl er nur für wenige Minuten tatsächlich anwesend und so eher als Gastauftritt für das zwischendurch etwas zu sehr auf Drama und Märtyrertum angelegte Gebilde, eine klassische Heldengeschichte mit "Ende gut und Alles gut" zu werten ist.

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Mi, 02.05.2018, 23:54

Ninja Knight: Thunder Fox (1987)
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Einer der schon späteren Tätigkeiten von Joseph Lai nebst Betty Chan als Produzenten und Godfrey Ho als das ausführende Organ der Beiden; aufgemotzt noch mit der weiteren Stammbesetzung wie Cheung Hoi als Cinematographer und Vincent Leung als Editor ein eingespieltes Gespann, bei dem die Arbeit Hand in Hand vonstatten ging und der Rubel als Lohn dessen noch eifrig in die Kassen von IFD Films & Arts Ltd. gerann. Das Problem selber stellt sich hier auch ganz anderer Seite dar, sind aufgrund der nunmehrigen Masse an derlei Produkten, von denen sich die eigene Firma nicht zurückhielt und bei denen sich zusätzlich Filmark eifrig zu beteiligen begann, die Zuordnungen der Titel und entsprechend die Verweise durch weitere Informationen recht schwer. Der vorliegende Fall, im ursprünglichen Original noch Ninja Knight: Thunder Fox benannt, hat sowohl im westlichen Raum (The Ninja Empire) als auch im deutschen Verleih a) andere Beinamen (Bionic Ninja) und b) damit auch Verdopplungen zu weiteren Erzeugnissen; ein Überfluss, der die Unterscheidungen mittlerweile schwerer macht und sich nicht wirklich günstig für das Markt- und Rezensionsverhalten auswirkt. Die Handlung wie folgt:

Die beiden gemeinsam eine Privatdetektei in HK unterhaltenden Brad [ Marko Ritchie ] und Bonnie [ Hsu Ying-chu ] werden unabhängig voneinander und dann auch einzeln arbeitend in den Fall einer misshandelten Zwangsprostituierten hineingezogen, die vor ihrem unfreiwilligen Ableben noch Beweise der Machenschaften von Tiger [ Mike Abbott ] und seinen Mannen [ u.a. Peter Cressall & Marcus Egan ] beschaffen konnte. Während Bonnie sich inkognito als angehendes Model in die Schule von Judy Chan einschmuggeln konnte, die als Eintrittspforte in die Unterwelt gilt, hat Brad alle Hände voll zu tun, den Schergen von Tiger und seinem ebenfalls involvierten Geschäftsmann [ Tin Ming ] abzuwehren. Auch die eingeschaltete Polizei [ unter Leitung von Lee Miu-chan ] scheint keine Hilfe zu sein.

Angenehmerweise bleibt auch hier noch das Original selber, der Zukauf zu den (wenigen) Ninjaszenen und dem sonstigen neuen Material in seiner Herkunft aus Taiwan verblieben; ein Fakt, der erneut den Rückgriff auf einen ansonsten verschollenen, d.h. zwar ehedem regulär herausgebrachten, aber im Laufe der Zeit verschwundenen und nicht anderweitig der Öffentlichkeit zugänglichen Film ermöglicht. Genommen wurde diesmal Lover and Killer a.ka. Fierce Lady (1987) von Lai Man-sing, dessen vorheriges Debüt Thunder Cat Woman (1985) ebenfalls mal als Quelle für IFD (für Golden Ninja Warrior) herhielt und von dessen Nachzüglern der kurzen Karriere wie speziell Qing Nian De Ben Se (1987) man durchaus gerne noch einiges mehr gesehen hätte.

Lover and Killer selber fällt im Grunde wie schon sein früherer Kompagnon, wie das Debüt von Lai aus; späte Exploitation, die sich dem Dunstkreis der damaligen Taiwan Black Movies, eine Mischung aus Sozialdrama und Crime und Sex und Gewalt, also pures B-Film Genre anschloss und entsprechend dessen auch gleich in der ersten Szene mit Ungeschminktheit und Härten auf die Zuschauer losging. Etwas unangenehm fällt dabei auch die Bevorzugung von Gewalt gegenüber Frauen aus, wo damals (gefühlt) minutenlang auf eine (halb)nackte Gefesselte mit der Peitsche eingeschlagen wurde, wird hier zu Beginn ein Flüchtende im Hausflur verdroschen und mit Blut und blauen Flecken überall die Treppe im Stoß hinuntergeschickt. So richtig das lustige Umfeld für den vielbeschworenen 'Party'- oder Unterhaltungsfilm, zu denen die Werke von Ho und Konsorten oft gezählt und besungen werden, ist derlei Extrem natürlich nicht.

Passenderweise bietet sich auch das neue Material dem Publikum nicht so richtig an, gibt es zwar das übliche hölzerne Schauspiel, die blanken Dialoge, plus einige Szenen, die in ihrer Logik und Ausübung schon der Beschreibung spotten, ist die Neufassung aber recht arm an den so heißbegehrten Ninjaszenen und wird sich statt dem Blechsäbel im Tarnanzug hier fast mehr mit der Bleispritze und in Zivil, also in Jeans und T-Shirt durch 'Actionszenen' gequält. Stören tut dies eigentlich überhaupt nicht, übt Ho quasi schon für seine noch kommenden Alleingänge im Girls-with-Guns Genre, in denen es auch vermehrt um die Benutzung von Schusswaffen in der Moderne geht, und gibt das Ganze dem Film fast auch ein neues, zusätzlich zu den frischen Darstellern wie Marko Ritchie oder Peter Cressall auch willkommenes Gesicht. [Beide sind nur jeweils 2x im Œuvre, nämlich noch gemeinsam für Rage of a Ninja, ebenfalls 1987 gelistet: der in den Besprechungen auch meist weit besser wegkommt.]

Das hier die Dinge etwas anders laufen, heißt aber nicht, dass sich die Welt auf den Kopf dreht und hier gänzlich alles Neu und Ungewohnt ist. Das Zusammenfügen von neuem und alten Material, welches wenigstens der gleichen Zeit und (mit beide Augen zudrücken) auch der gleichen Lokalität entspricht, wird gewohnterweise mit meist dem Telefon gehandhabt, durch das Aufträge verteilt werden und Beziehungen zueinander erklärt. Zudem sind die Bilder vergleichsweise ähnlich schmuddelig, das Schauspiel hier wie dort nicht wirklich den Gehaltscheck wert und ist man in beiden Fällen auch schon froh, wenn man etwas vorzeigbares im Kasten hat und wird ein zweiter und vielleicht besserer Take nicht anvisiert. Die Geschichte hüben und drüben erfüllt ihren Zweck, der Umgang miteinander, gerade zwischen den beiden Geschlechtern ist rau und ungeschminkt und strebt zielsicher auf ein Finale zu, bei dem es noch einmal gut zur Sache geht.

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Fr, 04.05.2018, 0:32

Impossible Woman (1982)
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Klar, einfach und zielsicher; im Kollektivbewusstsein mit den Tugenden seiner Titelfigur Impossible Woman a.k.a. Ninja Avenger auf ihrem tödlichen Lebensweg formuliert Regisseur und Action Director Tommy Lee eine in sich geschlossene Note. Hier wie dort ist die Vorbereitung genauso wichtig wie die Ausführung, und darf gerade wegen dem Paradoxen der Lage kein Fehler gemacht werden. Die Eigentümlichkeiten der Produktion, die im Subgenre sehr früh, noch vor Lee Tso-nams 1983 folgenden Challenge of the Lady Ninja und Life of a Ninja angesiedelt ist, und das Individuelle des Charakters zusammen ergeben das eigentliche Besitzstück des Filmes. Eine Art selbstgewählter Wahnsinn, in der der Drang der Absurdität ebenso willkommen ist wie die Beanspruchung zahlreicher, wenn auch bis auf den furiosen Showdown etwas verklemmter Kampf- und Stuntszenen und das Offizielle der Bewunderung von Darstellerin Elsa Yeung:

Um ihre Schuld gegenüber der einst ihr das Leben rettenden Geschäftsfrau Boss Nancy Chao [ Yuko Mizuno ] abzuzahlen, hat sich die ehemalige Sekretärin Marylin [ Elsa Yeung ] einer neuen Berufung verschrieben. Als Ninja Assassin erledigt sie im Auftrag der nach außen hin mit einer Shipping Company firmierenden, heimlich aber mit Drogen handelnden Kriminellen Chao und Lo Chin [ David Wu ] die einstigen Businesspartner wie Kevin [ Tung Kei ] und Frank [ Tin Ming ], die nunmehr als Kronzeugen im Gewahrsam der Polizei und dort unter Schutz von Fu, Chief of Narcotics [ Don Wong Tao ] stehen. Als dieser auf die Spur der Attentäterin kommt, und Marylin auch bei ihrer scheinbaren Freundin auf die Abschussliste und so ins Visier des losgeschickten Killers Tiger [ Cheng Fu-hung ] und so die Angelegenheit außer Kontrolle gerät, wird auch Chaos ahnungsloser und in Mo Ling verliebter Bruder Willie [ Yun Zhong-yue ] sowie ihr anderer Verehrer Peter Chu [ Man Lee-pang ], ein Nachtclubsänger, in den zunehmend letalen Streit hineingezogen. Um die Verwirrung ein für allem mal zu beseitigen, lässt Boss Chao ihren Fahrer, Bodyguard und Liebhaber in Personalunion [ Yasuaki Kurata ] aus Japan einfliegen.

Inmitten vieler Männer, die ihr aus verschiedenen Gründen nachsteigen, sei es, um sie ins Bett zu bekommen, ob nun mit Gewalt oder dem Schmacht der Gefühle, sei es, um sie dingfest zu machen oder gleich vollständig aus dem Verkehr zu ziehen; Yeung ist stetig Mittelpunkt und Vormachtstellung des zusehends charmierten Geschehens. Ob nun in komplett schwarzer Angriffsmontur, mit dem Handtuch um die Hüfte nach einem Schaumbad, dem gelben Freizeitoutfit oder der hautengen Jeans während eines Ausfluges hoch oben über der Stadt, stets liegt die Aufmerksamkeit auf dem anmutigen Äußeren, das obwohl gerade nicht reich an detaillierten Einblicken auch eine schöpferisch anregende Schauspielerin zeigt. Als Darstellerin und Verkörperung einer zu recht selbstbewussten Frau, die nicht extra betonen muss, etwas Besonderes zu sein, und es trotzdem in jeder Sekunde ausstrahlt.

Von maßgeblichen Einfluss und als Rettungsanker fungierend ist diese Wirkung der bloßen Vorhandenheit ihrer Nah- und Großaufnahmen auch auf sonst vorherrschende räumliche Enge der Einrichtungen, sowie die existenzverlustigen Minuten, in denen weniger bis scheinbar nichts passiert, sich die Anschleichaktionen oder Nichtigkeiten häufen, in denen bündelweise Belangloses von sich gegeben oder längst geklärtes als erneute Frage aufgeworfen wird. Einige Meter Zelluloidband voll mit dramaturgischen Irrsinns-Eingebungen im hässlichen Ambiente, die mal nicht mit der Sensationslust spekulieren, sondern mehr veranschaulichen wollen, als eigentlich gewusst werden will, und wo die Grenzen narrativer und inszenatorischer Kunst unvermeidlich aufgezeigt werden.

Nachträglich einfügte Rückblenden sollen das Interesse an den Gegenspielern (wie als Vorwegnahme des '92er Naked Killer) erhöhen, wobei die gesamte Figurenkonstellation gerade bei der Bruderfigur inmitten der Schaltstelle von erst Freundschaft, dann Feindschaft zu seiner Schwester ausgerechnet die schwächsten Sätze im Drehbuch und die merkwürdigste Veränderung vom waghalsigen Aufreißer über den Pantoffelhelden bis hin zum emotionalen Wrack abbekommen hat. Alles weitere darum legt sich in gründlicher und kenntnisreicher Unbedingtheit die Rolle eines veranschaulichten Groschenheftes voll mit exploitativer Trivialität zu und verbildlicht so alsbald auch nur das passionierte Wüten widerstreitender Parteien und ihrer Interessen. Eine systematische Ausbeutung von kleinerem und größerem Aktionsgewimmel, inszenatorisch sicherlich leicht holprig, aber mit dem Willen zu Mehr.

Besonders der Drang, sich auch auf der Straße mit allerlei Vehikeln auszutoben, die Wagen durch Mauern, hinter anderen Fahrzeugen oder durch die Luft wirbelnd zu jagen, kommt dem ansonsten eher preiswert gesetzten, aber dennoch wenn schon Kosten, dann doch keine Mühen scheuenden Werk in positiver Überraschung zu gute. Die zerstückelte Erscheinung, die den gemäßigten Materialeinsätzen anfällt, tritt auch bei den genauso zahlreich justierten Martial Arts Einlagen auf, wobei auf die Könnerschaft von Don Wong Tao und Yasuaki Kurata leider wenig und dann fast zu spät, und ansonsten nur auf die üppig vorhandene Schergenschar und ihren teils ungelenken Kombinationen zurückgegriffen wird.

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am So, 06.05.2018, 9:19

Super Dragon (1974)
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Mit der seltenen Gunst der Stunde ausgestattet zu sein, nicht bloß die erste filmische Annäherung an das Leben des kurz zuvor verstorbenen Bruce Lee, sondern auch dessen überzeugendsten und erfolgreichsten Nachahmer James Ho Chung-tao als zukünftigen Bruce Li zu präsentieren, ist Super Dragon ungeachtet all seiner Qualitäten – von denen so viele nicht vorhanden sind, und worüber man streiten mag – ein filmhistorisch wichtiges Ereignis; der Startschuss der Welle der sogenannten Bruceploitation, in denen nach mancherlei Ansicht die Leiche von Lee gerupft und zerfleddert wird, auch wenn das doch recht drastisch klingt, so verkehrt aber nicht ist:

Nach einer 'Karriere' als Auslieferer von Zeitungen, bei dessen Touren er auch regelmäßig angegriffen und sein wertvolles Hab und Gut am Verteidigen ist, kehrt Bruce Lee [ Ho Tsung-tao ] nach einem Zwischenfall mit rachsüchtigen Japanern seiner Wahlheimat San Francisco den Rücken und sucht sein Glück in HK, wo er zwar vom Produzenten Sir Run Run Shaw [ Chin Yung-hsiang ] wegen vermeintlich hoher Gagenforderung abgelehnt, aber bei der Konkurrenz Liu Liang-hua [ Lee Kin-kwong ] umworben wird. Deren Ehemann Lo Wei lässt sich nach einigen Zögern auch zur Zusammenarbeit mit dem 'Anfänger' ein, was prompt zum ersten imposanten Filmerfolg und Kassenschlager allerorten und Lees Bekanntschaft mit der Kollegin Betty Ting Pei führt.

So richtig mit Anstand und Pietät sind die Vielzahl der nun noch bis in die frühen Achtziger in Hundertschaften folgenden Produktionen auch wirklich nicht angesetzt und so auch nicht intendiert, geht es selbst in den 'Biographien' weniger um die Wahrheitssuche oder eine Aufbereitung und Versorgung der da draußen vorhandenen Trauer und Leere bei den Menschen, die vom Schock um den frühen Tod überrannt nun Ersatz in einer anderen, aber sehr ähnlichen Form brauchen und dadurch geholfen wird. In erster Linie steht natürlich das Geld, die treibende Kraft des Filmgeschäfts, wo gerade auch dieser Film hier noch ein Wörtchen zu spricht. Produziert in Taiwan und teilweise auch gedreht in den USA, wenn man denn den Angaben glauben kann und wovon man so richtig nichts sieht, ist das vorliegende Werk so also auch die Wurzel allen Übels, obwohl, und das muss man gutheißen, hier anders als später der Ansatz weniger von Explorativen im Sinne von auch Spektakulären geboten wird, und man eher ein äußerst fernsehfilmartiges Abhandeln der Liebes- und Leidensgeschichte um erst Bruce und seiner Linda und bald um Betty Ting-pei (samt einiger weniger ungelenkiger Kämpfe) doch ist. Positiv kann man noch erwähnen, dass 'der frühe Vogel fängt den Wurm' auch hier zutrifft, und die Reihe der Bruceploitation selber nicht von ungefähr auch nachhaltig noch am Leben und (u.a. diversen modernen Streamingdiensten) am Gedeihen ist, sondern auch damals die Leute ernährt hat und in der Popularität ungeachtet aller schlechter Kritikermeinungen seit Jahrzehnten ganz weit oben ist.

Allerdings sieht man von dem Gelobten Lande nur recht wenig, eine Antäuschung nur, so echt wie das “Washington Post. Eastern District“ Schild an einem Gebäude, welches noch zusätzlich auf einem wild ins Unkraut schießenden Rasen steht. Mit der Wahrheit nimmt man es hier in der reichlich melodramatischen bis gar deprimierenden Kolportage, den Tod und damit die wortwörtlich letzte Ruhe quasi als Erlösung von all dem Stress und Ungemach in den Raum stellende 'Biographie' nicht so genau und vor allem nicht so zwingend, werden nur paar Eckdaten von dem Wissen um Lee für ein Aneinanderreihen von Szenen genutzt, die in der ersten Zeit weder einen richtigen Übergang, also einen Rhythmus in der Montage haben als auch sonst nicht wirklich aufeinander aufbauen und so allesamt recht aus der Luft gegriffen sind. Der (häufig unrasierte) Hauptdarsteller beim amüsant Zeitungsaustragen, beim Transport mit dem Velociped, anschließend der Prügelei mit einer afroamerikanischen Gruppe, die das Terrain für sich beansprucht und ordentlich Luftschwinger gegen den asiatischen Freund absolviert. 'Lina' kommt auch schon um die Ecke gelaufen, und mehrere japanische Böswatze, denen im Kostüm und mit Langschwert mitten im 'amerikanischen' Vorort die Lust zur Rangelei steht. Außerdem wird auch schon die Kampfschule eingeweiht und den ersten Absolventen gratuliert und springt man am Filmset zu Green Hornet herum, was nicht nur beim Regisseur die Vorfreude zu “I think, there's an Emmy in it.“ generiert.

Wesentlich interessanter wird es ab Minute 20, wo der Ortswechsel nach HK nicht nur für einige (Archiv)-Aufnahmen der wuselnden Stadt mit Bus und Auto im Akkord sorgt, sondern auch der Blick hinter die Kulissen des Filmgeschäfts und der Filmgeschichte gleich mit geworfen wird. Nur wenige Jahre nach den realen Ereignissen und somit am Puls der Zeit noch quasi und in der Zeichnung weiterhin aktiver Macher wie Regisseur Lo Wei, der hier gar nicht gut wegkommt, und Sir Run Run Shaw, der recht knickerig und knauserig wirkt, wird das Milieu eher als bessere Gangsterhochburg dargestellt, in der in den oberen Etagen getrickst und geklüngelt wird und weiter unten auch nicht ständig auf Moral geachtet, sondern ebenso intrigiert. (Der eifersüchtigen Darstellerin 'Mial' = Nora Miao wird der Rat gegeben, sich doch an den bereits als Star aufführenden Lee heranzuschmeißen, um von dessen prophezeiten Erfolg als Erstes zu profitieren; wobei ihr dann allerdings wenig passt, dass 'Ta Pai' = Betty Ting Pei auftaucht und den Recken in ihren Bann zieht, und was zu weiteren Stressreaktionen führt. Betty selber ist ein emotionales Wrack und ein Unglücksbringer schlechthin, die zudem noch schlechten Einfluss im Gepäck hat, und Bruce Lee als Ehebrecher, der sich auch kein Deut um seine Kinder schert, kommt auch nicht besser weg.) Der Blick von einem 'Gauner' zu dem anderen quasi, tut das hinter Bruce Lee - A Dragon Story [Alternativtitel] stehende Produktionsteam um (den anschließend kaum noch was vorweisen könnenden) Regisseur Shut Dik ja nichts anderes, als im Nachhinein von den gleichen Gegebenheiten einen Nutzen zu haben und den Vorteil zu ziehen, und braucht sich im Grunde gar nicht zu echauffieren.

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, wie es so schön heißt, hier aber nicht beachtet, vielmehr ordentlich auf die Klüngel-, Amigo- und den Gerüchten nach auch Triadengesellschaft der Filmwelt geblickt und dies überzogen wird; was allerdings für den Zuschauer zur Information v.a. auch des Gemauschels hinter den Kulissen von The Big Boss und so zu allerlei Neuigkeiten führt. Dass der ursprünglich geplante und auch die ersten Tage als verantwortlich gesetzte Wu Chia-hisang aufgrund von Überforderung mit dem Dreh und Ärger mit Lee bald von Lo Wei abgelöst wurde, und dies v.a. auch durch die Zusprache dessen Ehefrau und Producing Manager Liu Liang-hua geschah, weiß bestimmt nicht jeder, wird hier allerdings schon deutlich aufgezeigt und somit zeitnah erklärt.

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Mo, 07.05.2018, 21:10

Bruce Lee - True Story (1976)
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Dass der als 'Bruce Li' bekannt gewordene James Ho Tsung-tao seine Karriere dem frühen Tod von Bruce Lee und der daraufhin rapide aus dem Boden geschossenen Welle an sogenannter Bruceploitation, an Epigonen, Hommagen und Trittbrettfahrern zu verdanken hat, ist allgemein gültiges Wissen, und dass Ho trotz aller daraus auf bestehenden Vorzüge nicht wirklich begeistert auf die Reduktion als Doppelgänger war, ist auch zu verstehen. Vor allem mit dem gleich mehrfachen direkten Nachahmen des Verstorbenen und dem Nachspielen dessen Leben dürfte der ehedem als Stuntman Tätige so seine Probleme gehabt haben, ist aber gerade diese Form des Erzählens wesentlicher Bestandteil dieser Filme; auch in dem komplett gegenteiligen, da depressiv-melodramatischen, den Tod fast als Erlösung zeigenden Super Dragon (1974), in The Story of the Dragon (1976) oder in Chinese Chi Chuan Kungfu (1976) spielt er bspw. den Lee. Ein ewigleiches Bebildern und Porträtieren eines Mannes, von dem man viel zu wissen glaubte, und so gedachte, dieses Glauben auch in Form von vermeintlicher Biographien zu erzählen:

Von seiner Mutter bezüglich einer besseren Zukunft nach Amerika geschickt, verabschiedet sich Bruce Lee [ Ho Tsung-tao ] von seinem Sifu Yip Man [ Yip Chun ], um sich in Seattle an der Universität einzuschreiben. Dort gerät er schnell mit dem Karatelehrer Mutuyaki [ David Chow ] aneinander, der seine japanische Zunft über die des chinesischen Kung Fu sieht, dies auch an einem von Lees Studenten [ Alan Chui ] ausübt, dann aber mit Lee auf einen richtigen Gegenüber trifft und prompt Rache schwört. Auch der Umzug nach San Francisco birgt schon beim Eintreffen in Chinatown erste Schwierigkeiten, beharren ältere Lehrmeister wie Sontai Mao [ Leung Siu-chung ] auf ihrer Weigerung, keine ausländischen, sprich amerikanischen Schüler aufzunehmen, und wehren sich gegen Veränderungen notfalls auch mit Gewalt.

Bruceploitation selber als ein zweischneidiges Schwert der Unterhaltungskunst, welches schon recht zur Kolportage oder auch der Leichenfledderei gehört und wo selbst bei besseren Arbeiten – was dieses Werk hier definitiv, wenn nicht sogar der ideologische Schwanengesang, da eher die Heldenverehrung, Bruce Lee: the Man, the Myth selber ist – immer ein kleiner Beigeschmack bleibt oder bloß ein schaler Nachgeschmack über ist. In besseren Fällen bekommt man vielleicht noch einen Einblick in die spezielle Zeit, in das Lokalkolorit und die Gegebenheiten der Gesellschaft, in die Umstände vor allem auch des Filmemachens, die Sicht hinter die Kulissen, die zeitnah aus der Perspektive anderer Filmschaffender gestaltet und so ein Prozess von Schein und Sein gleichzeitig, und dies gar aus der Nähe und der Distanz gleichzeitig ist. Manche funktionieren dafür besser als Martial Arts Film, was gerade hier zu bestaunen und bewundern und der deutliche Fortschritt auch in den Fähigkeiten von 'Bruce Li' in diesem Bereich zu registrieren ist.

Hierbei war das Budget sichtlich hoch, was Außendrehs auch in Amerika und Italien selber und die Nutzung dortiger Darsteller zur Unterstützung ermöglicht, geht es bald sofort auch nach dem Gelobten Lande, wo Lee nebenbei an der Tankstelle arbeitet und ansonsten die Studenten und anderen Begeisterten von Seattle unterrichtet. Prügel gibt's natürlich auch, zahlreich und überzeugend inszeniert ja sogar, werden erst zwei aufdringliche afroamerikanische Karateschüler 'vernichtet' und sich dann mit deren Lehrer vor versammelter Mannschaft und nach Termin auch und öffentlich duelliert. Ein flotter Einstieg zu einem flotten Aktionsfilm, der die überhaupt erste unliebsame Szene, das Eintreffen von Krankenwagen am 'Tatort' und das Gestikulieren des Notarztes vor dem leblosen Körper des Schauspielers zum Glück schnell wieder vergessen lässt, zumal der Voice over anschließend auch mit mehr Pietät als sonst gehandhabt wird und ehrbare Absichten der Filmemacher nicht gänzlich ausschließt. (Das freundschaftliche Wing Chun - Sparring mit Lehrmeister Yip Man bzw. der hiesigen Verkörperung und so Adelung von dessen eigenen Sohn Yip Chun kurz vor dem Abschied nach USA hilft auch, und dass man die unliebsame Episode mit Betty Ting Pei und damit die Gerüchte um den Ehebruch komplett negiert. Bezüglich des Todes vertritt man übrigens die offizielle Variante mit der Einnahme einer Tablette gegen anhaltende Kopfschmerzen, und das da erstmal Betty Ting und ihre Wohnung mit im Spiel ist, wird ebenso durch anstehende Drehbucharbeiten an Game of Death und einem anberaumten Treff mit Raymond Chow von Golden Harvest erklärt. Auf weitere Gerüchte wie den tödlichen Überfall einer Bande Straßendiebe, einer Prophezeiung oder einem bloß zehnjährigen Exil und der Vortäuschung des Todes geht man ein.)

Dabei hat Darsteller Ho, der für sich selber stehend durchaus Präsenz und die Fähigkeit im Spiel und mittlerweile auch die kämpferische Physis besitzt, hier anfangs aber vermehrt zum Mimikrieren verdammt ist und dabei etwas lächerlich wirkt, mit Regisseur Ng See-yuen erneut Glück in der Wahl seiner Mitarbeiter, ist dieser doch auch als Autor anwesend und besitzt sowohl die nötige Passion für so ein Projekt als auch das Talent und die Integrität. Ng, der mit seiner Eternal Film (H.K.) Co. auch produziert und so die Freiheiten innehat und die Hauptverantwortung gleich mit, hat sich bereits zuvor im Genre bewährt und auch da bereits international (Kidnap in Rome, 1974, und Little Godfather from Hong Kong, auch 1974) gedreht, was hier an Wissen und Erfahrung zugutekommt und der Geschichte aus Fakten und Fiktion die nötige Sicherheit verleiht.

Denn nach einem soweit gelungenen Einstieg wird es fortlaufend etwas beliebig, getreu der Funktionalität eines Eastern oft nur Kampfhandlungen aneinandergereiht und Hintergrundinformationen entweder ignoriert oder höchstens beiläufig geboten und wie die Ehe mit Linda (dreimal zu sehen, nach der ersten Kinopremiere, mal am Telefon und beim Zubereiten eines leckeren Proteinshakes, und dem propagierten Vorbild optisch überhaupt nicht ähnlich) oder gar die Kinder schnell wieder ad acta gelegt. Stattdessen werden aufmüpfige GIs beim Joggen vermöbelt, und schon wieder ein Schaukampf gegen einen Chan [ Chiu Chi-ling ] aus heiterem Himmel engagiert, die Mär von der Herausforderung eines Thaiboxers am Set darf natürlich auch nicht fehlen und wird ebenfalls vor Ort in Thailand, später gar noch gegen drei angeheuerte Mafiosi-Schergen vor dem Kolosseum, mit einer hinreißenden Tochter des lokalen Paten [ Roberta Ciappi ] gar präsentiert.

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Re: Der grosse Actiongülle - Thread

Beitragvon Mic am Mo, 06.08.2018, 0:36

Dragon Dies Hard (1976)
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Für vielleicht etwa ein halbes Jahrzehnt lang auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, gilt 1976 mit als zeitliches Schlüsselereignis dieser Ära und der Epoche der Bruceploitation gleich mit, in dessen Ehren und Rahmen der ehemalige taiwanische Stuntman Ho Tsung-tao nun als 'Bruce Li' firmierend das Zepter der Kampfkunst übernommen hat und vor allem international und dies bis heute anhaltend als Aushängeschild eines ganzen Subgenres gilt. 1976 war das Jahr, ab dem an sich auch vermeintlich ehrenwerte Studios und ihre Regisseure um den Stoff etwa des Nacherzählens einer Biografie von Lee, eines Actionkrimis um dessen 'mysteriösen' Tod oder eines offiziellen bzw. gerne auch inoffiziellen Sequels zu dessen bisherigen Werken geradezu stritten. Ho mit als Nutznießer wenigstens in der Aufmerksamkeit und der Popularität, gilt er doch aus den verschiedensten Gründen als die beste oder auch einzig wahre Kopie, also einem Widerspruch in sich, wobei die Ursachen für die Beliebtheit bei durchaus ähnlichen Aussehen (mit zwei Augen zu drücken, aber wenigstens ähnlicher als die anderen Hanseln), einer gewissen darstellerischen Sicherheit bis hin zur Wandelbarkeit, und der Fähigkeit auch zum Vollzug all der Actionszenen, hier in Bruce Lee, We Miss You! mittig immerhin eine wilde Stuntaktion auf einem fahrenden Bus liegt.

Entsprechend dessen musste oder wollte er 1976 gleich mehrfach, insgesamt sechs Mal nämlich in die Fußstapfen des Idols treten, und diesen entweder in der 'Realität' verkörpern oder mal auch rächen, mal (wie hier) gar auch gleichzeitig (und zusätzlich mit sich selber interagieren), je nachdem in welchem Film man sich befindet, und wenn man in all dem Gewusel nicht den Überblick verliert. Bahnhofskino statt Cinematografisches Theater:

Der Kampfschüler Stone [ fast immer im selben Hemd: Ho Tsung-tao ] erfährt mitten beim Sparring mit seinem besten Freund Pao [ Au Yeung-chung ] vom plötzlichen Tode Bruce Lees, eine Nachricht, die den Bewunderer trotz auch der Fürsorge von Paos Schwester Shirley [ Au Yeung-wai ] schwer mitnimmt und an natürliche Umstände auch nicht glauben lässt. Da ihm der tragisch verstorbene Recke auch höchstpersönlich im Traum und während einer 'Session' erscheint, macht er sich eigenhändig auf die Spur der Wahrheit, die ihn schnell zur Schauspielerin Betty Tin [ Chen Pei-ling ] und damit auch zu deren Boss Luo (= einem sichtbaren Lo Wei Verschnitt) führt.

Mit der Schlagzeile des Todes von Lee fängt diese taiwanesische Produktion auch an, fast zumindest, wird doch zuerst sein 'Nachfolger' und zugleich größter Bewunderer Stone bei einem freundschaftlichen Match und der folgenden Dialogblüte “I reckon you're better than he is now, for a fact.“ - “Come on, he's a genius. How can you compare us?“ vorgestellt. Stone ist auch der Einzige hier, dem das frühe Verscheiden des Idols tatsächlich nahegeht, wird der Schmerz in Alkohol ertränkt und lauthals lamentiert; abseits dessen dreht sich im Rest der Gesellschaft die Erde weiter und wird nur noch einmal kurz in einem Nachtclub von einigen Unbeteiligten darüber debattiert. Hinzu neben dieser schon psychologisch auffälligen Verarbeitung kommt noch ein paranormaler Aspekt, wird der Verlust gar mit in den Schlaf und sowieso in das Unterbewusstsein genommen und von Lee als Geistererscheinung mit der Bitte um Aufklärung seines Todes fabuliert.

Ein mystisches Suspekt, bei Blitz und Donner quasi, der dem Film und seinem Hauptdarsteller gleich mit ein merkwürdiges Ansehen verleiht, zumal Ho hier zuweilen mit sich selber bzw. seiner während der Laufbahn 'angezogenen' Verkleidung des wahren Lee spricht; eine Doppelrolle in mancherlei Szenen, die den Echten von seinem Nachahmer im Film als Schein und Sein verkörpern lässt und diesen wiederum als Gegenüber bereitstellt. [Ho gibt den Stone, den Lee, er spielt seinen Gegnern den Geist von Lee vor, um diese aus der Reserve zu locken, und später distanziert er sich wieder davon -“You must be blind. Take a closer look.“, “Huh, what do you mean?“, “I'm not Bruce Lee.“ - wie auch Ho sich distanziert hat und mit seiner Funktion fremdelte.]
Um dieser 'Verwirrung' Herr zu werden wird auch mal ein Shaolinkloster besucht und beim Abbot [ Ng Ho ] um Hilfe und Ratschlag gebeten sowie sich mit den anwesenden Mönchen duelliert. Die nächste Anlaufstelle ist natürlich getreu des Populismus die Betty Tin(g), welche weitere Antworten geben soll und der Handlung eventuell auf die Sprünge und dafür erst einmal zu ihr nach Hause und in das Schlafzimmer (zum Umziehen) hilft. “I've never been intimate with a boy. Surprise you?

Die Betty rückt hier also wieder in den Mittelpunkt des Geschehens, kein Wunder, dass sie aus ihrer Sicht die eigene Variante auch einmal darlegt und in Shaw Brothers' Bruce Lee and I [ 1976 ] a.k.a. Bruce Lee - His Last Days, His Last Nights die Deutungshoheit für einen kurzen Augenblick wiedergewinnt. Fiktion ist das natürlich alles, sowohl hüben wie auch drüben, mit der ganz heißen Nadel und eher für die an Klatsch und Tratsch und B-Eastern interessierten, eher an die niedere Zunft der (Alles)Schauer statt der Anspruchsvollen orientiert. Die anfangs sporadischen, bald zur anstrengenden Dauerschleife mutierenden Kampfszenen sind auch entsprechend räudig, wirkt Nebendarsteller Au in diesen auch überzeugender als der eigentliche Star und wird seitens der Regie gar entsprechend als häufiger Retter in der Not eingesetzt.

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